Zur Wintersonnenwende zu räuchern ist heute vor allem ein modernes Ritual: Du verabschiedest das vergangene Jahr und begrüßt das zurückkehrende Licht. Historisch belegt ist nicht ein einheitlicher Räucherbrauch speziell zur Wintersonnenwende, sondern vor allem das Räuchern zu Weihnachten, zum Jahreswechsel und in den Rauhnächten.
Wenn du zur Wintersonnenwende räuchern möchtest, brauchst du nur ein wenig Zeit und Ruhe, ein feuerfestes Gefäß und ein paar Kräuter oder Harze, die du vielleicht schon im Haus hast.
Ich zeige dir, welche Pflanzen sich für den Abend um den 21. Dezember zum Räuchern eignen. Daraus stellst du eine schöne Räuchermischung zusammen und gestaltest ein kleines Ritual zur Begrüßung des wiederkehrenden Lichts – und ich erzähle dir, wie mein Räucherbündel aus 13 Pflanzen mich durch die längste Nacht im Jahr begleitet. Außerdem erfährst du, was über die Herkunft des Brauchs belegt ist und was erst in den letzten Jahrzehnten dazugekommen ist.
Darum geht es in diesem Artikel:
- Wann die Wintersonnenwende ist und warum wir an diesem Abend räuchern
- Welche Pflanzen, Harze und Gewürze sich für die Räucherung eignen
- Wie du daraus eine Räucher-Mischung herstellst
- Schritt für Schritt Anleitugn für ein kleines Ritual zur Wintersonnenwende
- Wie du im kommenden Sommer ein Räucherbündel bindest um es zur nächsten Wintersonnenwende zu räuchern
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Was ist die Wintersonnenwende, und warum räuchern wir an diesem Abend?
Die Wintersonnenwende ist der Tag, an dem die Sonne auf der Nordhalbkugel ihren tiefsten Stand erreicht, in der Regel am 21. Dezember, in manchen Jahren am 22. Dezember, und sie bringt uns die längste Nacht und den kürzesten Tag des Jahres. Ab diesem Moment werden die Tage wieder länger, auch wenn du davon in den ersten Wochen kaum etwas bemerkst.
Zur Wintersonnenwende zu räuchern ist eine Praxis aus unserer neueren Zeit: In heutigen spirituellen Kreisen verabschiedet man mit dem Rauch das alte Jahr, klärt den Raum und begrüßt das Licht, das ab diesem Abend langsam zurückkehrt.
Vielleicht hast du auch schon von Yule oder dem Julfest in Verbindung mit der Wintersonnenwende gehört? Wie das zusammenhängt, erkläre ich dir in einem anderen Beitrag.

Was räuchert man zur Wintersonnenwende? Pflanzen, Harze und Gewürze
Zur Wintersonnenwende gibt es einige Kräuter und Harze, die du räuchern kannst: im Sommer gesammelte Sonnenkräuter wie Johanniskraut, reinigende Pflanzen wie Beifuß, Salbei und Wacholder, Harze von Nadelhölzern wie Fichte und, wenn du es gemütlich magst, ein paar Gewürze. Was ich zu den Wirkungen schreibe, sind eigene Erfahrungswerte und Überlieferungen.
Sonnwendkräuter räuchern: Johanniskraut, Alantwurzel, Königskerze
Gelb blühende Pflanzen gelten als Sonnenkräuter, und das macht sie zur naheliegenden Wahl für die dunkelste Nacht.
• Johanniskraut – gilt als das klassische Sonnenkraut und wird traditionell verräuchert, um die Stimmung aufzuhellen.
• Alantwurzel – duftet beim Räuchern sonnig und leicht süßlich und gilt als Wurzel, die Wärme ins Herz bringt. Das ist meine liebster Räucherwurzel.
• Königskerze – gilt als wärmend und schützend und bringt eine ruhige Stimmung in die Mischung.
Beifuß, Wermut, Salbei und Wacholder räuchern: Reinigung und Schutz
Die Wintersonnenwende gilt in heutigen Räucherkreisen als Schwelle zwischen altem und neuem Jahr, und für Schwellenübertritte eignen sich Pflanzen, die klären und schützen.
• Beifuß – das heimische Schamanenkraut; gilt als reinigend und wird zum Loslassen verräuchert.
• Wermut – gehört wie der Beifuß zur Gattung Artemisia, wird ähnlich zum Klären eingesetzt und duftet deutlich herber.
• Salbei – der Klassiker für die Raumklärung; neben dem weißen Salbei kannst du auch Salbei aus deinem Garten räuchern, alles Wichtige zum weißen Salbei findest du in meinem Beitrag dazu.
• Schafgarbe – gilt in Räuchermischungen als Schutz- und Klärungskraut und unterstützt Visionen in den Rauhnächten
• Wacholder – das am besten belegte Räucherkraut im deutschsprachigen Brauchtum; Zweige, Beeren und Nadeln galten als Mittel gegen Dämonen und Seuchen und wurden unter anderem am Weihnachtsabend verräuchert.
Bist du schwanger, verzichtest du besser auf Beifuß und Wermut.
Fichten-, Tannen- und Kiefernharz räuchern: Der Wald im Raum
Nadelharze glimmen gut, duften kräftig holzig-waldig und du findest sie vor deiner Haustür, deshalb gehören sie zur europäischen Räucherkultur dazu.
Wenn du selbst sammelst, kratze niemals frisches Harz vom Baum, nimm nur das, was von selbst ausgetreten ist. Auf dem Sieb setzen Harze die feinen Maschen schnell zu, deshalb legst du sie am besten auf ein Stövchen mit Metallplatte oder auf Kohle.
Harze sollten immer sehr gut durchtrocknen, sonst hast du statt feinem Duft schwarze Rauchwolken im Zimmer.
Räuchermischung zur Wintersonnenwende: Ein Rezept zum Selbermischen
Hier ist eine einfach herzustellende Mischung, wenn du zur Wintersonnenwende räuchern möchtest.
- 2 Teile Fichtenharz – bringt den Wald in den Raum, gilt als reinigend und sehr lichtvoll
- 2 Teile Wacholderbeeren – gilt als Schutz vor Unheil und hilft beim loslassen
- 1 Teil Johanniskraut – das Sonnenkraut für das zurückkehrende Licht
- 1 Teil Beifuß – gilt als reinigend, Schwellenkraut und wird zum Loslassen verräuchert
- ½ Teil Alantwurzel – gilt als Wurzel, die Wärme und Licht ins Herz bringt
Zerkleinere das Harz, die Beeren und die Wurzel gut und mische alles in einem kleinen Glas.
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Wintersonnenwende räuchern: Schritt für Schritt Ritual
Für eine Räucherung zur Wintersonnenwende nimmst du dir am Abend eine Stunde Zeit, kommst zur Ruhe und schaffst dir eine schöne Atmosphäre. Ich mag bspw. sehr eine Kerze im Fenster und den Blick nach draußen in die neblige Dunkelheit. Außerdem brauchst du natürlich dein Räucherwerk und Kohle, Stövchen oder eine Räuchermuschel, eine Kerze, Papier und Stift und eine feuerfeste Form oder ein Feuer im Kachelofen, um einen Zettel zu verbrennen.
Verschiedene Räuchermethoden habe ich dir im Beitrag Räuchern mit Kohle & 5 Alternativen genau beschrieben.
- Lüften. Lüfte den Raum kurz durch, bevor du mit der Räucherung beginnst.
- Dunkelheit spüren. Lösche am Abend alle Lichter und setze dich einige Minuten in die Dunkelheit, um die längste Nacht des Jahres ganz bewusst zu spüren.
- Das Licht entzünden. Zünde jetzt deine Kerze an, am schönsten im Fenster, denn sie steht für das Licht, das ab diesem Abend zurückkehrt. Begrüße das Licht, schau wie die Flamme die Dunkelheit erhellt und stell dir vor, wie sie auch dich mit lichtvoller Energie umhüllt.
- Räucherwerk entzünden. Entzünde dein Räucherwerk in einem feuerfesten Gefäß, das auf einer standfesten Unterlage steht.
- Intention setzen. Überlege dir, was du mit dem alten Jahr gehen lassen möchtest. Schreibe auf einen Zettel, wovon du dich lösen möchtest, und verbrenne ihn in einer feuerfesten Schale. Schließe dabei die Augen und spüre ganz bewusst, wie du alles loslässt, was du aufgeschrieben hast, während der Zettel verglüht und der Rauch aufsteigt.
- Das Neue einladen. Lege jetzt frisches Räucherwerk auf und halte auf einem neuen Zettel fest, was im neuen Jahr lichtvoll wachsen soll. Schließe wieder die Augen, stelle dir vor, wie das Neue in dein Leben kommt, und spüre, wie sich dein Körper anfühlt, wenn das, was du aufgeschrieben hast, schon Teil deines Alltags ist. Diesen Zettel hebe dir auf.
- Ausklang. Lüfte danach gründlich und lass die Reste von deinem Räucherwerk in Ruhe erkalten, bevor du sie entsorgst. Wenn du magst, stehst du am Morgen früh auf und begrüßt den ersten Sonnenaufgang nach der Wintersonnenwende.
Wenn du noch nie geräuchert hast, findest du alle Grundlagen in meinem Beitrag Räuchern für Anfänger.
Falls du keine passenden Einzelkräuter zu Hause hast, kann ich dir dieses Räucherset empfehlen*, dort findest du zu jedem Jahreskreisfest die passende Räuchermischung.

Räucherbündel binden: Im Sommer binden, zur Wintersonnenwende räuchern
Mein Räucherbündel aus 13 Pflanzen
Zur Wintersonnenwende räuchere ich sehr gerne mein Räucherbündel, das ich zur Sommersonnenwende aus 13 verschiedenen Pflanzen gebunden habe, darunter Johanniskraut, Beifuß, Wermut, Minze, Schafgarbe und Gamander-Salbei. Zwischen dem Binden im Juni und dem Räuchern im Dezember liegt ein halbes Jahr, und so „konserviere“ ich mir sozusagen die Sommerenergie für die dunklen Tage im Jahr. Damit bringe ich zum einen die lichtvolle Kraft des Sommers in die dunkelste Nacht und begrüße zum anderen das zurückkehrende Licht, das in heutigen spirituellen Kreisen als Geburt des Lichts verstanden wird. Fast jedes Jahr räuchere ich solch ein Bündel am Abend der Wintersonnenwende draußen am Feuer.
Räucherbündel selber binden: So geht es
Sammle im Sommer an einem trockenen Tag, nachdem der Tau abgetrocknet ist, verschiedene Pflanzen, die du sicher erkennst, binde sie relativ fest mit Naturfaden zusammen und hänge das Bündel kopfüber im Schatten zum Trocknen auf. Die Sommersonnenwende eignet sich besonders schön dafür, denn du findest dann so viele wohlriechende Pflanzen, dass du ganz einfach dein Bündel binden kannst. Bis zum Dezember bewahrst du es trocken auf, damit du es zur Wintersonnenwende räuchern kannst.
Wenn du auch in den Rauhnächten räuchern möchtest, die auf die Wintersonnenwende folgen, findest du alles dazu in meinem Beitrag Räuchern in den Rauhnächten.
Fazit
Mit einer Kerze im Fenster, dem Rauch von Fichtenharz, Wacholder, Johanniskraut, Beifuß und Alantwurzel und einem Zettel, den du verbrennst, kannst du an der Wintersonnenwende das alte Jahr verabschieden und das neue Licht ganz bewusst begrüßen. Besonders schön ist es, wenn du dir dafür im kommenden Sommer ein Räucherbündel bindest, denn so holst du in der längsten Nacht die Sommersonne ins Dunkel. Möchtest du tiefer in das Räuchern mit heimischen Kräutern und Harzen eintauchen, zeige ich dir in meinem Räucherkurs Schritt für Schritt, wie das geht.
Spürst du schon, was sich in dir zeigen möchte, wenn der Rauch aufsteigt und draußen die längste Nacht des Jahres beginnt?
FAQ zum Thema: Wintersonnenwende räuchern
Bitte beachte und lese meinen Disclaimer.
Was räuchert man zur Wintersonnenwende?
Beliebt sind Sonnenkräuter wie Johanniskraut, reinigende Pflanzen wie Beifuß, Wermut, Salbei und Wacholder sowie Fichten-, Tannen- und Kiefernharz, dazu Gewürze wie Zimt und Orangenschalen.
Ist Räuchern zur Wintersonnenwende ein alter Brauch?
Ein festes Räucherritual zur Wintersonnenwende ist nicht historisch belegt, sondern eher etwas aus der modernen Praxis. Räuchern zu Weihnachten, zum Jahreswechsel und in den Rauhnächten hingegen ist historisch belegt.
Was hat Jul mit der Wintersonnenwende zu tun?
Jul war ein vorchristliches Winterfest im alten Skandinavien, von dem wir vor allem aus mittelalterlichen altnordischen Schriften wissen. Dort wird berichtet, dass das Fest zur sogenannten Mittwinternacht begann und drei Tage dauerte. Was mit „Mittwinter“ genau gemeint war und auf welchen Zeitpunkt unseres heutigen Kalenders sich diese Angabe übertragen lässt, ist jedoch nicht abschließend geklärt. Sicher ist deshalb nicht, dass Jul ursprünglich genau zur Wintersonnenwende am 21. Dezember gefeiert wurde. Heute wird der Begriff vor allem in spirituellen und neopaganen Kreisen für die Zeit um die Wintersonnenwende verwendet. Dort steht das Julfest für die längste Nacht, die Wiederkehr des Lichts und den Übergang in einen neuen Jahresabschnitt.
Was ist der Unterschied zwischen Wintersonnenwende und Rauhnächten?
Die Wintersonnenwende ist das astronomische Datum der längsten Nacht, die Rauhnächte sind die zwölf Nächte von Weihnachten bis Dreikönig.
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