Räuchern Rauhnächte – wenn du das eingibst, bekommst du Anleitungen, die sich in fast jedem Punkt widersprechen: mal wird an allen zwölf Abenden geräuchert, mal an drei oder vier, mal im Uhrzeigersinn, mal dagegen, mal mit weißem Salbei, mal mit Weihrauch und mal mit Wacholder. Ich habe nachgeschaut, was zum Räuchern in den Rauhnächten tatsächlich überliefert ist, was sich belegen lässt und was erst in den letzten Jahren dazugekommen ist, damit du am Ende selbst entscheiden kannst, wie du es machst.
Kurz gesagt: In den Rauhnächten wurde regional täglich oder an wenigen festgelegten Nächten geräuchert. Überliefert sind vor allem Weihrauch, geweihte Kräuter und Teile des Palmbuschens, welche auf Herdglut verräuchert wurden. Die Räuchernden gingen betend durch Haus, Hof und Stall. Eine feste Richtung – im oder gegen den Uhrzeigersinn – ist historisch nicht belegt.
Darum geht es in diesem Artikel:
- Warum in den Rauhnächten geräuchert wurde und wie alt der Brauch ist
- Wie das Räuchern früher ablief, von der Herdglut bis zur Asche unter dem Obstbaum
- An welchen Nächten geräuchert wird und woher die unterschiedlichen Zahlen kommen
- Womit geräuchert wurde und was erst später dazukam
- Wie du heute räucherst, mit und ohne Kohle
- Ob du in jeder Nacht räuchern musst
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Räuchern in den Rauhnächten – das Wichtigste kurz erklärt
Räuchern in den Rauhnächten bedeutet, in den zwölf Nächten zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag das Haus, in ländlichen Gegenden auch den Stall, mit dem Rauch von Weihrauch und Kräutern zu durchziehen – nach der Überlieferung, um die Bewohner zu schützen und das Haus zu segnen, heute meist auch, um das alte Jahr zu verabschieden. Was die Rauhnächte selbst sind und woher sie kommen, habe ich in meinem Artikel Was sind die Rauhnächte? beschrieben, hier geht es ausschließlich um den Rauch.
Übrigens, Weihrauch ist nicht nur das, was du vielleicht aus der Kirche kennst. Als Weihrauch wird auch bspw. heimisches Harz von Fichte oder Kiefer bezeichnet. Du hast das vielleicht schon unter dem Namen “Waldweihrauch” gelesen.
Warum wird in den Rauhnächten geräuchert?
Früher räucherte man in den Rauhnächten, um sich vor Unheil zu schützen, heute steht für viele das Klären und Innehalten im Vordergrund. Der früheste Beleg, den ich gefunden habe, stammt von Sebastian Franck: In seinem Weltbuch von 1534 schreibt er, dass es in den zwölf Nächten zwischen Weihnachten und Dreikönig kein Haus gebe, das nicht täglich Weihrauch mache, und zwar gegen Teufel, Gespenster und Zauberei (zitiert nach Hans Dünninger und Horst Schopf, 1971, nachzulesen hier).
Auch die Überlieferung beschreibt das Ausräuchern als Segnung, mit der man im Spätmittelalter Geister und Dämonen abwehren wollte, und es gilt als wahrscheinlich, dass der Name Rauhnacht selbst davon kommt, auch wenn es dafür mehrere Deutungen gibt. Heute räuchern viele, um das alte Jahr zu verabschieden und Ruhe ins Haus zu holen, und in den heutigen spirituellen Kreisen symbolisiert der Rauch auch die energetische Reinigung.
Wie wurde in den Rauhnächten früher geräuchert?
Früher zog man mit einer Pfanne voll Herdglut, Weihrauch und geweihten Kräutern unter Gebet durch das Haus, und ein Vorbeter ging voran.

Glut aus dem Herd und der Weg durchs Haus
In Tirol ist der Räucherbrauch in den Rauhnächten folgender: Glut aus dem Herd kommt in eine Pfanne oder ein anderes Gefäß, darauf legt man Weihrauch, Teile des am Palmsonntag geweihten Palmbuschens oder andere geweihte Kräuter. Unter Gebet zieht man mit der Pfanne durch das Haus, ein Vorbeter geht mit der Rauchpfanne voran, hinter ihm segnet eine zweite Person jedes Zimmer mit Weihwasser, und zum Abschluss wird ein Rosenkranz gebetet. Stell dir das ruhig einmal bildlich vor: die Glut in der Pfanne, der Harzduft, der von Zimmer zu Zimmer mitwandert, und dazu das Gebet, das durch das ganze Haus zieht.
Warum durfte beim Räuchern keiner fehlen?
Fehlte ein Familienmitglied beim Räuchern, bedeutete das, laut Überlieferung, in Tirol Unglück oder sogar den Tod.Das Räuchern war also ein Familienbrauch, an dem alle gemeinsam teilnahmen, das Ritual allein am Altar mit Tagebuch, wie es heute verbreitet ist, kommt in den Beschreibungen, die ich gefunden habe, nicht vor.
Der Hut über dem Rauch und die Hände im Schnee
In Süd- und Osttirol hielt man Hut oder Kopftuch über den Rauch und setzte es danach auf, weil man damit das ganze Jahr vor Kopfschmerzen sicher sein sollte, und in Hafling ging man nach dem Räuchern ins Freie, um sich die Hände mit Schnee einzureiben. Ob der Hut tatsächlich gegen Kopfschmerzen hilft, kann ich dir natürlich nicht versprechen. Aber probier es doch einfach mal aus :).
Was ist die Kinignocht in Südtirol?
Die Kinignocht ist in Südtirol die Nacht vor dem Dreikönigstag, in ländlichen Gegenden zählt sie als dritte Rauhnacht nach dem 24. Dezember und Silvester, wer die Thomasnacht am 21. Dezember dazu zählt, kommt auf die vierte, und auf vielen Höfen wird an diesem Abend bis heute geräuchert.
Wenn an diesem Abend die Tiere im Stall versorgt sind, holt die Bäuerin das Rauchpfandl aus dem Keller, gibt mit der Zange die Glut aus dem Küchenherd hinein und streut Weihrauch darauf. Die Familie geht zuerst nach draußen, der Bauer spricht den Rosenkranz vor, alle beten nach, und mit dem Kinigwasser, das am Nachmittag in der Kirche geweiht wurde, werden Heu im Stadel, die Kartoffeln im Keller und die Kühe im Stall besprengt. Das älteste Kind schreibt die neue Jahreszahl und C+M+B mit Kreide über die Haus- und Stalltüren. Im Haus räuchert der Bauer die Räume, Betten, Kästen und Möbel. Zum Schluss versammeln sich alle um den Tisch in der Stube, der Bauer umrundet ihn dreimal mit dem Rauchpfandl und spricht ein Segensgebet, und danach gibt es Gebäck und Tee. Den ganzen Brauch kannst du bei den Südtiroler Bauernhöfen nachlesen. Geräuchert wird vor 21 Uhr, denn zu spätes Räuchern galt als Zeichen für eine schlechte Ernte.
Was geschah mit der Asche?
Die Glutreste warf man üblicherweise ins Feuer, es gibt aber auch den Brauch, sie unter einem Obstbaum zu verteilen, und in der Kinignocht kommt die ausgebrannte Kohle in den Küchenherd. Wenn du heute mit Kohle räucherst, lässt du die Reste vollständig erkalten, bevor du sie irgendwohin gibst.
Was noch erzählt wird, sich aber nicht belegen lässt
Es gibt noch weitere Bräuche, die bis heute auf Höfen in Südtirol, Kärnten und im Berchtesgadener Land gelebt werden, aber nicht in der Fachliteratur nachzulesen sind. Ich nenne sie deshalb überliefert und nicht belegt:
- Der Hausvater geht voran – das Familienoberhaupt trägt die Räucherpfanne und schwenkt den Rauch in jeden Winkel des Hauses, die Familie folgt betend, in Tirol ist es ein Vorbeter, der mit der Pfanne vorangeht.
- Der Stall wird mitgeräuchert – in Kärnten ging man durch Stube, Kammer und Stall und segnete oft die Tiere, in Südtirol führt der Weg von der Küche aus durch jeden Raum, auf dem Bauernhof auch durch Stall und Stadel, und auf einem Hof im Berchtesgadener Land bekommen die Tiere nach dem Räuchern heute gesegnetes Salz ins Futter.
- Dreimal ums Haus, um den Hof oder um den Tisch – in manchen Familien in Österreich geht man in der letzten Rauhnacht dreimal um das Haus, in Südtirol ziehen manche Familien dreimal mit dem Rauchfass um den Hof, und in der Kinignocht umrundet der Bauer dreimal den Tisch.
- Kreidezeichen an der Tür – in Kärnten setzte man nach dem Räuchern die Kreidezeichen an die Haustür, in Südtirol schreibt man in der Kinignocht die Jahreszahl und die Segensformel C+M+B über die Türen, und die Sternsinger tun es zum Dreikönigstag ebenfalls.
- Jede Familie hat ihre Eigenheiten – in Südtirol räuchern manche Löffel und Speisen auf dem Tisch, andere schwenken den Rauch unter Kissen, Bettdecken und Kopfbedeckungen.
- Die Tiere sprechen – in Südtirol wird erzählt, dass die Tiere in der Heiligen Nacht miteinander reden, ältere Menschen berichten, dass sie nach der Mitternachtsmette neugierig und ängstlich zugleich an der Stalltür lauschten, und nach anderen Überlieferungen soll sterben, wer die Tiere sprechen hört.
Wann räuchern in den Rauhnächten?
Je nach Gegend wurde in den Rauhnächten täglich geräuchert oder nur an drei Terminen, nämlich an Weihnachten, Silvester und Dreikönig, eine einzige historisch richtige Zahl gibt es nicht. Schon 1534 ist das tägliche Räuchern beschrieben, in Tirol, Kärnten, Südtirol und anderen Gegenden im Alpenraum sind es dagegen bis zu drei Nächte: die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, die Silvesternacht auf den 1. Januar und die Nacht vom 5. auf den 6. Januar, die in Südtirol Kinignocht heißt. Manche zählen die Thomasnacht am 21. Dezember als vierte Nacht dazu. Dass jede Nacht ihr eigenes Räucherwerk und ihr eigenes Thema bekommt, ist dagegen eine moderne Zuordnung, die ich in den überlieferten Beschreibungen nicht gefunden habe.
Womit räuchern in den Rauhnächten? Überliefertes und heutiges Räucherwerk
Belegt sind Weihrauch, Teile des Palmbuschens und geweihte Kräuter auf Herdglut, die feste Zuordnung einzelner Pflanzen zu einzelnen Rauhnächten ist eher wieder ein Konstrukt aus neuerer Zeit.
| Räucherstoff | Was dazu überliefert ist | Einordnung |
| Weihrauch | In Tirol auf die Herdglut gelegt, schon bei Franck 1534 als Räuchermittel genannt | belegt |
| Palmbuschen und geweihte Kräuter | In Tirol Teile des am Palmsonntag geweihten Palmbuschen oder andere geweihte Kräuter, im Berchtesgadener Land Kräuter aus dem Kräuterbuschen von Maria Himmelfahrt | belegt (Tirol), heute noch gelebt |
| Wacholder, Harze, Fichtenreisig | In Kärnten genannt, in Tirol nicht | regional überliefert |
| Beifuß, Wermut | In Südtirol wurde der Stall früher mit Wermut geräuchert, Beifuß wird dort heute als Räucherpflanze mit Wirkung genannt, für die Rauhnächte selbst ist er in den Beschreibungen nicht ausdrücklich erwähnt | Wermut regional überliefert, Beifuß heutige Praxis |
| Weißer Salbei, Palo Santo | Stammen aus Nordamerika beziehungsweise Südamerika, in den Beschreibungen zu den Rauhnächten nicht genannt | modern |
Der klassische Weihrauch stammt von Boswellia-Bäumen aus Ostafrika und Arabien, in manchen Gebieten gehen ihre Bestände zurück. Welcher Weihrauch früher auf die Glut kam, sagen die Beschreibungen nicht. Wie du heimischen Waldweihrauch als Alternative nutzt und warum ich auch bei weißem Salbei und Palo Santo zu Pflanzen aus der eigenen Umgebung rate, steht in Weißer Salbei räuchern: heimische Alternativen.
Bei den geweihten Kräutern nennt keine der Beschreibungen, die ich gefunden habe, eine einzelne Art, überliefert ist nur, dass es Kräuter waren. Ich räuchere deshalb am liebsten mit dem, was in meiner Gegend wächst, und du hast damit mehr Freiheit, als dir die meisten Anleitungen zugestehen.

Wie räucherst du heute in den Rauhnächten?
Du brauchst ein feuerfestes Gefäß, dein Räucherwerk und ein Fenster, das du hinterher öffnen kannst, alles Weitere hängt von der Methode ab, die du wählst.
1. Methode wählen: Für eine Räucherung auf Glut nimmst du eine Räucherpfanne*, füllst sie zur Hälfte mit Räuchersand, legst durchgeglühte Räucherkohle* hinein und gibst das Räucherwerk erst danach auf die Glut.
2. Räucherwerk auflegen: Eine kleine Prise einer Mischung aus Harzen und Kräutern reicht. Diese gibst du auf die Kohle, wenn sie vollständig durchgeglüht und grau-weiß ist.
3. Durchs Haus gehen: Zimmer für Zimmer, vor allem in die Ecken und Nischen, in der Reihenfolge, die sich für dich stimmig anfühlt.
4. Wirken lassen: Bei einer großen Hausräucherung bleiben die Fenster zu und werden erst am Ende geöffnet, wenn der Rauch etwa 10 bis 15 Minuten Zeit hatte.
5. Lüften und Reste versorgen: Danach 10 bis 15 Minuten stoßlüften und die Kohle vollständig erkalten lassen, nie heiß in den Müll geben.
Mit Kohle oder ohne Kohle?
Die Herdglut von früher war Holzglut aus dem Küchenofen, Räucherkohle aus dem Handel ist dagegen gepresste Holzkohle mit einer Beschichtung, die sich leicht entzünden lässt und beim Anzünden den typischen beißenden Geruch verursacht, weshalb ich für meine tägliche Räucherung das Stövchen bevorzuge. Für eine Hausräucherung sind der kräftige Rauch und die Hitze der Kohle dagegen, für mich zumindest, schon ein Muss, und wie beides funktioniert, erkläre ich Schritt für Schritt in Räuchern mit Kohle – und 5 Alternativen.
Meine absolute Lieblingsmethode, gerade in den Rauhnächten, ist das Räuchern ganz ohne Kohle, bei dem das Räucherwerk von allein glimmt – wie das geht, zeige ich dir in meinem Räucherkurs “Räucherpfade”.
Im Uhrzeigersinn oder dagegen, von oben nach unten oder umgekehrt?
Eine feste Drehrichtung ist nirgends überliefert. Das einzige, was immer wieder auftaucht, ist, dass man unter Gebet durch das Haus zieht und jedes Zimmer nach dem Ausräuchern segnet. Die heutigen Anleitungen widersprechen sich dagegen kräftig: Die einen räuchern im Uhrzeigersinn, die anderen dagegen, manche beginnen oben und gehen nach unten, andere starten in der Küche und enden im Keller. Dass Reinigen gegen den Uhrzeigersinn geschehen müsse, gehört zu den Regeln, die in heutigen spirituellen Kreisen gelten, in der Überlieferung steht davon nichts. Geh deshalb am besten intuitiv vor. Ich starte meist draußen vor dem Haus und gehe dann bis unters Dach und zwischendrin in den Garten, weil sich das bei unserem Haus einfach anbietet.
Wie ich in den Rauhnächten räuchere
Als ich vor vielen Jahren die Rauhnächte für mich entdeckt habe, dachte ich noch, ich muss „alles richtig machen“ und vor allem auch zu den festen Terminen räuchern. Ganz ehrlich, das war ganz schön stressig, zumal ich damals auch noch angestellt war und der Jahresabschluss anstand. Mittlerweile bin ich hier tiefenentspannt, denn die Rauhnächte sind NICHT dazu da, etwas abzuarbeiten, wie es fast alle Bücher, Onlinekurse, Retreats usw. erzählen. Sie sind vielmehr da, innezuhalten, zu spüren, langsamer zu werden und einfach auch zu empfangen, ohne dass ich heute für die Ahnen räuchere, morgen für die Fülle und übermorgen für den Schutz des Hauses. Ich mache es meist so, dass ich einmal groß räuchere vor den Rauhnächten, und während der Tage lege ich das auf, worauf ich gerade Lust habe. Mein Räucherbündel, das ich zur Sommersonnenwende gebunden habe, entzünde ich zur Wintersonnenwende, um das wiederkehrende Licht zu begrüßen und die Rauhnächte einzuläuten.
Einige meiner Lieblingsmischungen findest du auch in meinem Shop. Und wenn du in den Rauhnächten auf eine geführte schamanische Reise gehen möchtest, passt meine Meditation Geist der Rauhnacht gut zu einer Räucherung, denn sie beginnt selbst mit dem Duft von Thymian und Salbei. Du zündest dein Räucherwerk an, legst dich bequem hin und wirst in 43 Minuten durch einen Zauberwald zum Holunder und zu Frau Holle geführt, wo dir Pflanzenverbündete wie Schafgarbe, Eibe und Farn begegnen.
Muss ich in jeder Rauhnacht räuchern?
Nein, die Überlieferung kennt sowohl das tägliche Räuchern als auch wenige feste Termine, nämlich Weihnachten, Silvester oder Neujahr und Dreikönig, dazu kommt in manchen Gegenden die Thomasnacht um den 21. Dezember, also um die Wintersonnenwende, als vierte Nacht. Wenn dein Alltag nur eine Nacht hergibt, such dir die aus, die am besten zu dir passt, und wenn du magst, räuchere gemeinsam mit deiner Familie, so wie früher, als keiner fehlen durfte. Und wenn du das 13 Wünsche Ritual machst, kannst du dazu räuchern, während du den Wunschzettel in der feuerfesten Schale verbrennst.
Ist Räuchern in den Rauhnächten unbedenklich?
Beim Verglimmen von Räucherwerk entstehen Rauch und Feinstaub, bei wenigen Terminen im Jahr und einem gut gelüfteten Raum gilt das für gesunde Menschen als unproblematisch. Entscheidend sind Häufigkeit, Dauer, Raumgröße und das Lüften danach. Kleine Kinder sollten den Rauch nicht direkt abbekommen, Vögel reagieren besonders empfindlich, und Hunde und Katzen brauchen die Möglichkeit, den Raum zu verlassen. Beim Rauchmelder hältst du Abstand und lässt ein Fenster gekippt. Was du sonst noch beim Ausräuchern beachten kannst, steht in Räuchern für Anfänger.
Fazit
Räuchern in den Rauhnächten ist seit dem 16. Jahrhundert belegt, und der überlieferte Kern ist erstaunlich schlicht: Glut, Weihrauch, geweihte Kräuter, ein Weg durch alle Räume des Hauses und je nach Gegend nur wenige feste Nächte – alles andere ist später dazugekommen und darf es auch. Räuchere deshalb in den Nächten, die zu deinem Leben passen, mit dem Räucherwerk, das dir zusagt, und lass dir weder von einer Drehrichtung noch von zwölf Räucherthemen etwas vorschreiben. Wie du ohne Kohle und mit heimischen Pflanzen räucherst, zeige ich dir in meinem Räucherkurs „Räucherpfade“. Und wenn der Rauch durch dein Haus gezogen ist und es still wird: Wer ist in diesem Moment noch mit dir im Raum?
Häufige Fragen zum Räuchern in den Rauhnächten
Bitte beachte und lese meinen Disclaimer.
Wann räuchert man in den Rauhnächten?
Regional unterschiedlich. Überliefert sind tägliches Räuchern während der zwölf Nächte sowie Räuchern an drei oder vier Hauptterminen: Weihnachten, Silvester/Neujahr, Dreikönig und teilweise Thomasnacht.
Welche Pflanzen wurden traditionell verräuchert?
Überregional belegt sind Weihrauch, geweihte Kräuter und Palmbuschenreste. Wacholder, Harze und Wermut sind regional überliefert. Eine feste Pflanze-pro-Nacht-Zuordnung ist eher eine moderne Interpretation.
Wie räuchert man in den Rauhnächten?
Du legst Räucherwerk auf durchgeglühte Kohle in einem feuerfesten Gefäß mit Sand, gehst Zimmer für Zimmer durch das Haus und lüftest danach 10 bis 15 Minuten. Im Anschluss wird jedes Zimmer gesegnet.
Muss man gegen den Uhrzeigersinn räuchern?
Nein. Eine feste Drehrichtung ist in den von mir geprüften historischen Quellen nicht belegt.
Ist Räuchern in den Rauhnächten ein alter Brauch?
Ja, das Räuchern in den Nächten zwischen Weihnachten und Dreikönig ist seit dem 16. Jahrhundert belegt. Eine durchgehende Linie zu germanischen oder keltischen Festen lässt sich dagegen nicht belegen.
Zum Weiterlesen
- Universität Innsbruck, Institut für Geschichtswissenschaften und Empirische Kulturwissenschaft: „Rauhnacht“, Datenbank „Feste und Bräuche“, 2025. Fundstelle: Eintrag „Rauhnacht“, die Absätze zum Ausräuchern, zur Kopfbedeckung über dem Rauch und zu den Glutresten. Die Seite verweist auf Daxmüller (Lexikon des Mittelalters, Bd. VII), Haider (Tiroler Brauch im Jahreslauf, Innsbruck 1968) und Küster (Wörterbuch der Feste und Bräuche im Jahreslauf, Wien 1985). Zur Seite
- Sebastian Franck: „Weltbuch“, 1534, zitiert nach Hans Dünninger und Horst Schopf: „Bräuche und Feste im fränkischen Jahreslauf“, Kulmbach 1971, S. 24. Fundstelle im Original: Seite im Digitalisat noch nicht geprüft. Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek
- Servus (Magazin): „Darum räuchern wir in den Raunächten“, 2026. Fundstelle: der Absatz zur Räucherfamilie (drei Nächte, Haus und Stall) und der Hinweis auf die schwankende Zahl der Nächte. Zur Seite
- Wortkultur: „Die Rauhnächte: Bräuche, Percht und alte Winterrituale aus Kärnten“, 2025. Fundstelle: der Abschnitt zum Räuchern (drei Tage, Kohle aus dem Herd, Stube, Kammer, Stall, Kreidezeichen). Zur Seite
- Suedtirol.com: „Raunächte & Räuchern in Südtirol“, ohne Jahresangabe. Fundstelle: die Abschnitte „Wozu dient das Räuchern?“ (Wermut im Stall) und „Wie wird geräuchert?“ (vor 21 Uhr, dreimal um den Hof, Kissen und Kopfbedeckungen). Zur Seite
- Molkerei Berchtesgadener Land: „Mit Weihrauch und gesegnetem Salz in den Stall“, 20.10.2023. Fundstelle: der Bericht über den Hof der Familie Ramstetter (Kräuter aus dem Kräuterbuschen von Maria Himmelfahrt, gesegnetes Salz für die Tiere). Zur Seite
- ÖKO-TEST: „Feinstaub: Sind Räuchermännchen gesundheitsschädlich?“, 2025, Interview mit dem Lungenfacharzt Dr. Peter Kardos. Fundstelle: der Absatz zur gelegentlichen Nutzung. Zur Seite
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