Als ich dieses Holunder Oxymel angesetzt habe, ging der August langsam seinem Ende zu und bei uns an der Mosel hingen die ersten Holunderdolden schwer und fast schwarz an den Sträuchern. Ich habe sie an einem Mittag gepflückt, an dem die Sonne noch warm war, aber die Herbstenergie schon unverkennbar in der Luft lag.
Jetzt, ein paar Wochen später, sind die Morgen kühler geworden, abends wird es früher dunkel – und du kennst das sicher, diesen Übergang, in dem sich der Körper noch umstellt und die erste Erkältung kaum auf sich warten lässt.
Dieses Jahr bin ich bestens vorbereitet, mit einem großen Einmachglas voller tiefviolettem Oxymel, das in unserer Vorratskammer reift, und ich verspreche dir: Sobald du den Deckel das erste Mal aufschraubst und dir dieser dunkle, würzige Duft entgegenkommt, willst du das nie wieder missen.
Was du in diesem Artikel erfährst:
- Was ein Oxymel ist und seit wann Menschen es herstellen
- Was die Forschung zu Holunderbeeren tatsächlich zeigt
- Das Holunder Oxymel Rezept Schritt für Schritt, inklusive Booster-Variante
- Worauf du bei Schwangerschaft, Autoimmunerkrankungen und empfindlichen Zähnen achten solltest
- Was du mit dem übrig gebliebenen Trester machen kannst
- Die vegane Holunder Oxymel Variante mit Melasse
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Was ist ein Oxymel überhaupt?
Sauerhonig wie das Oxymel auf deutsch heißt, gibt es seit über 4000 Jahren – schon die alten Ägypter kannten diese Verbindung aus Essig und Honig, die Griechen übernahmen sie, und Hippokrates, der als Vater der Medizin gilt, setzte sie gezielt bei Fieber und Atemwegserkrankungen ein. Später griff auch Galen von Pergamon sie auf, und im Mittelalter kombinierte Hildegard von Bingen Honig, Essig und heimische Kräuter zu eigenen Rezepturen. Der Name setzt sich aus dem Griechischen „oxys“ für sauer und „meli“ für Honig zusammen, und im Kern ist es genau das: eine Mischung aus Essig und Honig, in der Kräuter, Wurzeln oder Früchte über Wochen ziehen und dabei ihre Wirkstoffe abgeben.
Bei den Römern bekam die Rezeptur sogar einen eigenen Namen: „mel acetatum“. Sie wurde gern als Legionärstrunk auf dem Schlachtfeld eingesetzt, damit die Soldaten auch unter Strapazen gesund und einsatzfähig blieben.
Schon damals wusste man, vorbeugen ist besser als reagieren, wenn der Körper krank ist.
Dieser Gedanke zieht sich durch die ganze Geschichte des Oxymels: gesund bleiben, statt erst zu handeln, wenn der Husten schon festsitzt. Hippokrates selbst, der von etwa 460 bis 370 vor Christus lebte, hat ihn einmal so zusammengefasst: „Nahrung ist Medizin und Medizin ist Nahrung.“ Genau dieses Prinzip ist es, das ich an meinem eigenen Oxymel so schätze – zusammen mit einem zweiten, das mich mindestens genauso packt: dem Prinzip der Geduld. Ein Oxymel lässt sich nicht beschleunigen, es braucht seine drei Wochen im Dunkeln, und genau diese Zeit ist es, die aus Saft (oder Heilpflanzen), Essig und Honig ein gesundes Elixier werden lässt.
Wenn du selbst tiefer eintauchen willst: Dieses Buch* von Gabriela Nedoma ist im deutschsprachigen Raum das Standardwerk zum Thema, randvoll mit Geschichte und Rezeptideen. Und bei ÖKO-TEST findest du einen guten, kritisch eingeordneten Artikel dazu, in dem auch ein Gastroenterologe zu Wort kommt.
Warum „Deep Purple“ für das Holunder Oxymel
Das satte, fast magische Violett dieses Elixiers kommt von den Anthocyanen, den dunklen Farbstoffen der Holunderbeere. Verbunden mit den Boostern aus Ingwer, Kurkuma, Zimt und Nelken bekommt das Ganze neben der geschmacklichen Tiefe auch den gesunden Immunboost mit dazu, und die Gewürze machen daraus fast schon etwas Weihnachtliches. Dieser warme, dunkle Duft erinnert an Glühwein und die ersten kalten Abende – nur eben ohne Alkohol und als kleiner Shot, den du dir und deiner Gesundheit jeden Morgen auf nüchternen Magen gönnst.
Stell dir vor, du stehst in drei, vier Wochen in deiner Küche, schraubst das Glas auf, und dir schlägt dieser Duft nach Zimt, Nelken und dunklen Beeren entgegen – das allein ist schon jede Minute Wartezeit wert.
Was die Forschung zu Holunder sagt
Zu Holunderbeeren habe ich mehrere Studien gefunden, die darauf hindeuten, dass Holunder die Dauer von Erkältungen und grippeähnlichen Infekten verkürzen und die Symptome mildern kann. Die dunklen Pflanzenstoffe, die Anthocyane, scheinen Viren daran zu hindern, in Zellen einzudringen.
Für Oxymel als Kombination aus Essig, Honig und Kräutern gibt es dagegen kaum direkte Humanstudien, die Effekte lassen sich vor allem aus den Einzelkomponenten ableiten: Honig wirkt nachweislich antibakteriell und hustenlindernd (aber nur guter, roher Bio Honig, kein glasklarer Honig aus der Plastikflasche…), biologischer, naturtrüber Apfelessig hat in Laborstudien antimikrobielle Eigenschaften, und die verwendeten Gewürze Zimt, Ingwer, Kurkuma und Nelken sind entzündungsmodulierend. Natürlich ist das Holunder Oxymel kein Wundermittel, aber sicher ein gut begründetes, traditionelles Unterstützungsmittel für die nahende Erkältungszeit.
Drei Dinge, die du wissen solltest, bevor du Holunder Oxymel selber machst
Rohe Holunderbeeren sind giftig. Rohe Holunderbeeren enthalten Sambunigrin, das beim rohen Verzehr zu Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden führen kann. Deshalb wird der Saft für dieses Rezept immer mindestens 20 Minuten gekocht. Dabei zerfällt das Sambunigrin vollständig, und genau dieser gekochte Saft liefert dir die Wirkstoffe, ohne die Belastung.
Roher Honig ist nicht für Säuglinge. Roher Honig kann Sporen von Clostridium botulinum enthalten. Für die meisten von uns ist das unbedenklich, für Säuglinge unter einem Jahr aber nicht, ihr Darm kann diese Sporen noch nicht ausreichend abwehren. Dieses Oxymel ist also etwas für dich und für Erwachsene in deiner Familie, nicht für die Kleinsten.
Besondere Situationen. Wenn du eine Autoimmunerkrankung hast, etwa Multiple Sklerose, Lupus oder rheumatoide Arthritis, oder Medikamente nimmst, die das Immunsystem unterdrücken, sprich bitte vor der Einnahme mit deinem Arzt oder deiner Ärztin, denn Holunder kann das Immunsystem aktivieren. In der Schwangerschaft und Stillzeit wird von der regelmäßigen Einnahme stärkerer Kräuterpräparate wie Oxymel oft abgeraten, weil es dazu keine ausreichenden Sicherheitsdaten gibt, sprich also bitte mit deiner Hebamme, Ärztin oder deinem Arzt. Der hohe Essiganteil kann außerdem bei empfindlichem Zahnschmelz oder bei Reflux und Magenproblemen stören, trinke das Oxymel deshalb am besten verdünnt in einem Glas Wasser und spüle danach mit klarem Wasser nach.

Die Zutaten für dein Immunbooster Oxymel
Grundrezept, 1 Teil entspricht bei mir etwa 300 ml:
- 1 Teil Holunderbeersaft, selbst gekocht (siehe unten) oder aus gutem Bio-Anbau
- 1 Teil roher Honig – bitte keinen klaren Honig aus dem Supermarkt, der ist meist erhitzt und hat genau die Enzyme verloren, die wir hier brauchen und die roh belassenem Honig seine antibakterielle Wirkung geben – ich verwende diesen rohen bio Lindenblütenhonig*, so habe ich noch einen Wirkverstärker drin
- 1 Teil naturtrüber Bio-Apfelessig, gerne mit sichtbarer Essigmutter, deren Essigsäure die Wirkstoffe aus den Boostern zieht und das Ganze gleichzeitig haltbar macht
- 1 sterilisiertes Schraubglas*, groß genug für die Gesamtmenge plus Booster – ich koche meine Gläser und Deckel vorher kurz in einem Topf mit Wasser aus, so gehst du sicher, dass sich nichts Unerwünschtes einschleicht
Der Saft macht nur max. ein Drittel der Gesamtmenge aus, Honig und Essig zusammen die anderen zwei Drittel – dieses Verhältnis ist wichtig, damit dein Oxymel monatelang haltbar bleibt. Denn Essig und Honig wirken konservierend.
Die Booster-Erweiterung, pro Liter (das hatte ich diesmal drin – für den extra Glühweingeschmack ;-))
- 1 daumengroßes Stück Bio Ingwer in feinen Scheiben, bei Bio-Ware lasse ich die Schale dran – seine Schärfe kommt von den Gingerolen und wird in der Volksmedizin seit jeher als wärmend bei beginnender Erkältung geschätzt
- 1 gehäufter Teelöffel Kurkumapulver oder ein Stück frische Knolle, dazu eine kräftige Prise schwarzer Pfeffer, ohne ihn kann dein Körper das enthaltene Curcumin kaum aufnehmen
- 2 Ceylon-Zimtstangen, zerbröselt – wärmend im Geschmack, und im Gegensatz zu Cassia-Zimt ohne nennenswerten Cumaringehalt, was ihn für den täglichen Gebrauch unbedenklicher macht
- 6 bis 8 Gewürznelken, deren ätherisches Öl Eugenol seit Jahrhunderten für seine leicht betäubende, antibakterielle Wirkung bekannt ist, klassischerweise wird Nelkenöl auch bei Zahnschmerzen angewandt
Das bietet sich auch noch sehr gut an – gibt dann allerdings einen anderen Geschmack:
- eine Handvoll entkernte Hagebutten für eine ordentliche Portion Vitamin C – schon in Notzeiten galten sie als wichtigste heimische Vitamin-C-Quelle, wenn frisches Obst knapp war
- zwei drei Zweige Thymian oder ein paar Blättchen Salbei fein geschnitten, beide bringen ätherische Öle mit, die traditionell bei Husten und gereiztem Rachen eingesetzt werden, und passen geschmacklich hervorragend zur herben Note des Holunders
Du kannst auch einfach nur Saft mit Essig und Honig mischen, damit tust du dir schon sehr viel Gutes. Und schau auch einfach mal, was hast du eh zu Hause oder im Garten? Vielleicht liegt noch etwas Ingwer im Kühlschrank, oder du hast noch Hagebutten vom letzten Spaziergang – ein Oxymel darf mit dem wachsen, was du zur Hand hast, und gerade diese Freiheit macht es zu einem Rezept, das du dir wirklich zu eigen machen kannst.
Zubereitung
Das Fundament. Lass den gekochten Holunderbeersaft vollständig abkühlen, bevor du weitermachst – Hitze zerstört die Enzyme im rohen Honig.
Der Boost. In dein Glas gib Ingwerscheiben, Kurkuma, Pfeffer, Zimt und Nelken (oder was du sonst hinzugeben möchtest).
Die Fusion. Gib den Honig auf die Booster und einen Teil vom Essig. Verrühre das Ganze, damit sich die Zutaten mit dem Honig und Essig mischen. Dann gib den Saft und restlichen Essig dazu. Allein die Farbe ist so genial, oder?
Verschließen. Die Einmachgläser sind für das Holunder Oxymel am besten, da hier nichts reagiert. Bei einem Schraubglas musst du einfach aufpassen, dass kein Essig an den Deckel kommt. Hier nicht schütteln!
Die Reifezeit. Lasse nun dein Holunder Oxymel drei bis vier Wochen an einem dunklen, kühlen Ort ziehen lassen, einmal täglich gut umrühren. Das ist zum einen wichtig, damit sich die Inhaltsstoffe gut lösen, zum anderen steigt auch immer mal was nach oben und könnte ggf. schimmeln. Durch das tägliche Rühren verhinderst du das. Sollte doch was schimmeln, musst du leider nochmal neu anfangen.
Das Finale. Durch ein feines Tuch abseihen und in dunkle Glasflaschen füllen. Alternativ einfach im Schrank lagern. Grundsätzlich kühl und dunkel lagern.
Anwendung
Morgens auf nüchternen Magen 1 bis 2 Esslöffel, pur oder in einem Glas lauwarmem Wasser, das nicht wärmer als 40 Grad sein sollte, damit die Enzyme im Honig geschützt bleiben. Bei empfindlichem Magen oder Zähnen lieber stärker verdünnen und danach mit Wasser nachspülen.
Wenn du dir für die kalte Jahreszeit neben dem Oxymel noch eine ganze Hausapotheke zusammenstellen möchtest, findest du in meinem Beitrag mit zwölf altbewährten Hausmitteln gegen Erkältung vom Zwiebelhonig über den Kartoffelwickel bis zum Fichtennadelbad alles, was sich bei mir über die Jahre angesammelt hat und was sich gut mit dem Oxymel kombinieren lässt.
Falls dir das eigene Ansetzen gerade zu aufwendig ist oder du erst reinschnuppern willst, bevor du drei Wochen auf dein eigenes Glas wartest: Es gibt auch fertige Bio-Oxymele* zu kaufen, ein guter Einstieg, wenn die Küche gerade keine Zeit hat, aber der Körper trotzdem seine Unterstützung bekommen soll.


Der Holunderbeersaft – so kochst du ihn selbst
Falls du keinen fertigen Bio-Holunderbeersaft kaufst, ist er in einer knappen halben Stunde selbst gemacht. Du brauchst dafür nur reife, tiefviolette bis schwarze Holunderbeeren – nie grüne oder unreife.
Streife die Beeren mit einer Gabel von den Dolden, es sollten so wenig wie möglich von den kleinen Ästchen dran sein, wasche sie und gib sie in einen großen Topf. Gieße so viel Wasser dazu, dass die Beeren gerade eben bedeckt sind, nicht mehr sonst verwässerst du deinen Saft unnötig. Bring alles zum Kochen und lass es anschließend bei mittlerer Hitze mindestens 20 Minuten köcheln, bis die Beeren aufgeplatzt und leicht geschrumpelt sind – erst dieses Kochen zerstört das Sambunigrin vollständig, das rohe Beeren giftig macht. Mit dem Holzkochlöffel rühren und die Beeren “anstampfen” ist eine gute Idee, um die Saftausbeute zu erhöhen.
Gieße die Masse durch ein feines Sieb mit einem sauberen Tuch darin und drücke dann gut nach, damit du den letzten Saft aus den Beeren bekommst. Für dieses Rezept lässt du den Saft ungesüßt – die Süße bringt später der Honig ins Oxymel.
Tipp: Ich koche direkt die doppelte Menge Holunderbeersaft und verwende eine Hälfte sofort für das Oxymel, die andere Hälfte mache ich haltbar, indem ich sie kochend heiß in sterilisierte Flaschen fülle, sofort verschließe und nach dem auskühlen im Kühlschrank lagere. Alternativ kannst du den Saft auch einfrieren.
Zero Waste beim Holunder Oxymel: Essig, Pulver, Gelee und Räucherwerk aus den Resten
Nach dem Entsaften bleibt im Sieb oder Tuch der sogenannte Trester übrig. Da die Beeren für den Saft vorab erhitzt wurden, ist das Sambunigrin darin bereits vollständig zerstört, die Reste sind also absolut ungiftig und viel zu schade für die Biotonne. Falls dich die harten Kerne stören, streiche die Masse einmal durch ein feines Passiersieb, eine sogenannte Flotte Lotte, dann bleiben nur Fruchtfleisch und Schalen übrig.
Holunder-Essig.
Gib den Trester in ein Glas und gieße ihn mit Apfelessig auf, bis alles bedeckt ist. Zwei Wochen dunkel ziehen lassen, abseihen – fertig ist ein feiner, violetter Salatessig.
Holunderbeeren-Pulver.
Trockne den Trester im Ofen (Holzkochlöffel in die Tür, damit der Dampf entweichen kann) oder Dörrautomaten*, bis er ganz trocken ist, und mahle ihn im Mixer zu feinem Pulver – ein Vitamin- und Farbkick für Müsli oder Joghurt.
Zweite-Welle-Gelee.
Koche die Reste noch einmal mit etwas Apfelsaft auf und passiere es durch ein Tuch, damit die kleinen Kerne raus sind. Dann koche das Ganze mit Gelierzucker (Packungsanweisung beachten) zu einem Gelee ein.
Räuchern
Nelken, Zimt und Honig räuchern statt wegwerfen. Nelken, Zimtstangen, Ingwer und auch das Wachs vom rohen Honig, die nach der Reifezeit aus dem Oxymel abgeseiht werden, landen bei mir nicht im Müll. Ich trockne sie ein paar Tage auf einem Tuch oder in einem Sieb nach, bis sie wieder ganz trocken sind, und leg sie dann als herrlich duftende Mischung, vielleicht mit ein paar Fichtennadeln oder -harz, aufs Räucherstövchen (am besten auf eine Platte). So habe ich keine Abfälle und für die kuscheligen Herbst- und Wintertage eine Räuchermischung, die nach Zuhause, Advent und Weihnachten riecht. Wenn dich das Räuchern interessiert, passt hier sehr gut der Beitrag Räuchern mit Kohle – und 5 Alternativen.

Die vegane Variante: Holunder Oxymel mit Melasse
Ich habe über Jahre eine vegane Version dieses Oxymels gemacht, bei der ich den Honig durch Melasse* ersetzt habe. Melasse ist der dunkle, dickflüssige Sirup, der bei der Zuckerherstellung als Nebenprodukt entsteht, mit einem bemerkenswert hohen Gehalt an Eisen, Calcium, Magnesium und Kalium – gerade für Frauen im Zyklus oder in den Wechseljahren interessante Mineralstoffe.
Geschmacklich ist sie kräftig, fast erdig, und harmoniert wunderbar mit Zimt und Nelken. Was sie nicht mitbringt, sind die Enzyme des rohen Honigs, da Melasse ein erhitztes Produkt ist – du tauschst also die Enzymkraft gegen ein dichtes Mineralstoffpaket. Für mich war das über Jahre ein guter Kompromiss.
Holunder Oxymel – ein wertvolles, gesundes Geschenk aus der eigenen Küche
Eine hübsche Flasche, ein Stück Stoff über dem Deckel, ein handgeschriebenes Etikett mit dem Reifedatum – aus diesem Oxymel wird schnell ein Geschenk, das mehr erzählt als gekaufte Aufmerksamkeiten.
Stell dir vor, du hast im Dezember schon ein Regal voller kleiner violetter Flaschen stehen, fertig zum Verschenken, während andere noch verzweifelt durch überfüllte Läden laufen.
Hollerbusch – ein Baum, dem man den Hut zog
Kaum eine Pflanze aus unseren Breiten trägt so viel Bedeutung in sich wie der Holunder. In vielen alten Bauerngärten stand er direkt neben dem Haus, weil man glaubte, in ihm wohne der gute Geist des Hofes, manche kannten sie als Frau Holle, andere als Hulda oder Holda – eine Gestalt, der man Wasser, Milch oder Brot vor den Strauch stellte, aus Dank und aus Respekt.
Man fällte keinen Holunder ohne Erlaubnis, man zog den Hut, wenn man an ihm vorbeiging, weil man ihn für seine Heil- und Schutzkraft so schätzte. Bei Fieber band man ein Tuch, das der Kranke eine Nacht um den Hals hatte, an den Holunder, um so das Fieber loszuwerden. Es ranken sich viele wunder-volle Märchen und Mythen um diesen Strauch. Ob an dieser alten Vorstellung etwas dran ist oder ob sich darin einfach Jahrhunderte an Beobachtung verdichtet haben – der Holunder galt den Menschen lange als Grenzpflanze, als etwas, das zwischen den Welten steht, zwischen Schutz und Heilung, zwischen Diesseits und dem, was dahinter liegt.
Wenn du dein Glas Holunder Oxymel in den kommenden Wochen öffnest, ist da immer auch ein Rest von diesem alten Wissen dabei.
Häufige Fragen zum Holunder Oxymel:
Bitte beachte und lese meinen Disclaimer.
Was ist Holunder Oxymel?
Holunder Oxymel ist eine Zubereitung aus Holundersaft oder Holunderbeeren, Essig und Honig. Je nach Rezept ziehen zusätzlich Kräuter, Gewürze oder Früchte in der Mischung. Der Name „Oxymel“ – Sauerhonig – stammt aus dem Griechischen: oxys bedeutet sauer, meli Honig.
Seit wann gibt es Oxymel?
Zubereitungen aus Essig und Honig haben eine lange Tradition in der antiken Heilkunde. Der Begriff Oxymel stammt aus dem Griechischen; bereits hippokratische Schriften erwähnen Mischungen aus Honig und Essig. Wie genau einzelne Rezepturen damals aussahen, unterschied sich je nach Zeit und Überlieferung.
Ist Holunder Oxymel gesund?
Oxymel kann eine wohltuende Ergänzung für den Alltag sein: Es verbindet Honig, Essig und – je nach Rezept – Kräuter, Früchte oder Gewürze. Wissenschaftlich ist es jedoch kein pauschal belegtes Heilmittel. Studien zu einzelnen Zutaten wie Holunder liefern erste Hinweise auf mögliche Effekte bei Erkältungsbeschwerden, lassen sich aber nicht direkt auf selbst gemachtes Holunder Oxymel übertragen. Aber ganz ehrlich, es muss nicht immer alles wissenschaftlich bewiesen sein um zu wirken.
Ist Holunder Oxymel für Kinder geeignet?
Säuglinge unter zwölf Monaten dürfen wegen des Honigs kein Oxymel bekommen. Bei älteren Kindern kommt es auf Alter, Menge, Rezept und die individuelle Gesundheitssituation an. Wenn dein Kind Vorerkrankungen hat oder regelmäßig Medikamente einnimmt, kläre die Verwendung vorsichtshalber mit der kinderärztlichen Praxis.
Darf ich Holunder Oxymel in Schwangerschaft und Stillzeit nehmen?
Zur Sicherheit von Holunderpräparaten in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es nicht genügend verlässliche Daten. Sprich deshalb vor einer regelmäßigen Einnahme mit deiner Hebamme, Ärztin oder deinem Arzt – insbesondere, wenn dein Oxymel weitere Kräuter enthält.
Wie lange ist Oxymel haltbar?
Wie lange selbst gemachtes Holunder Oxymel haltbar ist, hängt von Hygiene, Mischungsverhältnis, Säure, Honiganteil und Lagerung ab. Fülle es in saubere Flaschen, lagere es kühl, dunkel und gut verschlossen und prüfe es vor der Verwendung auf Schimmel, ungewöhnliche Gärung, auffälligen Geruch oder Geschmack. Im Zweifel entsorge es.
Gibt es eine vegane Alternative zu Honig für Oxymel?
Ja. Für ein veganes Holunder Oxymel kannst du Honig durch Melasse, Zuckerrübensirup, Dattelsirup oder einen kräftigen Pflanzenhonig ersetzen. Melasse passt besonders gut, wenn du eine dunkle, malzige und weniger süße Note magst. Beachte: Farbe, Geschmack und Konsistenz verändern sich deutlich.
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